Fair bringt mehr ...

"Was denn noch alles ...?"

Peter Bednarz

Egal auf welchem Kontinent oder in welchem Land: Menschen wollen mit ihrer Arbeit mindestens so viel verdienen, dass sie davon leben können.

Schon lange ist der faire Handel eine Sache der Evangelischen Jugend. Seit vielen Jahren setzt sie sich für ein gerechtes Miteinander in ihrem Umfeld ein. Aus der Nachfolgerschaft Jesu Christi, kann dieser Gedanke auch als tragend für das gesamte Handeln (in) der Evangelischen Jugend erachtet werden.

Die Evangelische Jugend gehört zusammen mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zu den Gründungsmitgliedern des größten europäischen Fairhandelshauses, der GEPA (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH). Vor etwa 20 Jahren war die Evangelische Jugend an der Gründung der Siegelorganisation TransFair Deutschland (Fair Trade Deutschland) beteiligt.

 

Warum hat sich die Evangelische Jugend bei diesen Gründungen engagiert und sie inhaltlich begleitet?

In der Partnerschaftsarbeit und den gegenseitigen Besuchen von Partner*innen in den Ländern des Südens erfuhren die Teilnehmer*innen von den dramatischen Lebenssituationen vieler Kleinbauern und ihrer Gemeinschaften: Handelspartner traten als Kolonial- oder Lehnsherren auf und installierten so eine Ordnung der Abhängigkeit und Unterdrückung. Viele kleinbäuerliche Familien wurden ausgebeutet und verarmten, während die Preise für Kaffee, Kakao und Südfrüchte in Europa fielen. Landraub, Unterernährung, fehlende Gesundheitsversorgung und Bildung waren drängende Probleme der Kleinbauern.

In den Jugendverbänden wurde die These mehrheitsfähig, dass die Ausbeutung der Kleinbauern und Landlosen in den Ländern des Südens systemimmanent mit dem Konzept des Kapitalismus und der Marktwirtschaft, dem ungezügelten Streben nach Gewinn, verknüpft ist.

Daraus folgt: Ein partnerschaftliches Handelssystem könnte den weltweiten Handel gerechter gestalten, die bisher im weltweiten Handel tätigen Unternehmen können oder wollen die Idee eines partnerschaftlichen Handels nicht umsetzen. Sie sind Ursache der herrschenden Not und können nicht Lösung sein.

Diese nur holzschnittartig skizzierten Gedanken begründeten das Engagement der Jugendverbände im Fairen Handel.32

Bis heute basiert der Faire Handel auf drei Säulen: Bildung – politische Arbeit – Verkauf. Im Laufe der Zeit hat sich der Faire Handel als alternatives Handelssystem etabliert33 und 2010 Waren im Wert von mehr als 400 Millionen Euro34 umgesetzt.

Peter Bednarz

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32 Ausführlich ist dieser Prozess von Prof. Dr. Annette Scheunpflug beschrieben in: Ulrich Schwab (Hrsg.): Geschichte der evangelischen Jugendarbeit - Scheunpflug, 2003
33 Die Wirkung und der Erfolg des Fairen Handels ist u.a. in dieser Untersuchung diskutiert worden: Nelson, Valerie/ Pound, Barry (2009): The Last Ten Years: A Comprehensive Review of the Literature on the Impact of Fairtrade Conducted.
34 Forum Fairer Handel: www.forum-fh.de