Klimafreundlich essen

Was man wissen sollte

Der Klimawandel bedroht das Leben auf der Erde und schuld sind die Emissionen von Treibhausgasen, die wir Menschen verursachen, besonders in den Industrieländern. Die größte Last durch den Klimawandel wie Wirbelstürme oder Trockenheit tragen schon jetzt die weniger industrialisierten Länder des Südens. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird von manchen aber noch immer bezweifelt. Die Auswirkungen unterschiedlicher Lebensbereiche wie Wohnen, Verkehr oder Wirtschaft auf den Treibhauseffekt stellen wir in diesem Küchenbuch nicht dar. Das würde den Rahmen sprengen, außerdem gibt es für Jugendliche bereits gut aufgearbeitete Materialien, die das Thema behandeln. Ein paar grundsätzliche Fakten zum Thema Ernährung und Belastung des Weltklimas gehören aber dazu.

Denn jede(r) kann etwas gegen die Erderwärmung tun und das können Jugendliche schon in der Küche lernen.

 

Klimawandel auf dem Teller

Wer denkt schon beim Klimawandel ans Essen. Als Erstes werden die meisten sicherlich das Auto nennen, das Sprit verbraucht und CO2 in die Luft bläst, oder die Sparlampe, die nur ein Viertel des Stroms verbraucht wie eine alte Glühbirne und damit klimaschonender ist.
Jede(r) Deutsche verursacht elf Tonnen CO2-Äquivalent1 pro Jahr2. Verträglich für die Erde wäre aber nur ein Ausstoß von etwa zwei Tonnen. Dreiviertel des CO2, das wir in die Luft blasen, entsteht beim Wohnen, Auto- und Bahnfahren, Fliegen, Gütertransport und beim Essen und Trinken.

Allein auf dem Teller verursachen wir rund zwei Tonnen CO2 – also so viel, wie uns im globalen Vergleich insgesamt zustehen, wie für die Welt gerade noch verträglich wäre3. Damit verursacht die Ernährung in Deutschland fast genauso viele Treibhausgase wie der gesamte Straßenverkehr4.
Diese zwei Tonnen entstehen bei der landwirtschaftlichen Produktion, der Weiterverarbeitung, der Verpackung, dem Transport, der Lagerung und schließlich auf dem Herd bei der Zubereitung. Aber nicht alle Bereiche produzieren gleich viel CO2.

Überraschend ist, dass Transport und Verpackung nur eine untergeordnete Rolle spielen5. Am stärksten wirkt sich die landwirtschaftliche Produktion aus und die Frage, was auf den Teller kommt. Kurz gesagt: Fleisch und Milchprodukte haben einen schwereren ökologischen Rucksack, weil bei der Herstellung mehr CO2-Äquivalente frei werden. Schuld ist zum Beispiel die Verdauung von Rindern und Kühen6. Sie rülpsen und pupsen Methangas aus, das in der Atmosphäre als starkes Treibhausgas gilt – 25-mal stärker als Kohlendioxid.

Selbst auf Feldern tritt bei intensiver Düngung mit Stickstoff Lachgas aus, das die Atmosphäre fast 300-mal mehr belastet als CO27. Ökologischer Landbau trägt dazu bei, dass weniger Treibhausgase entstehen. (sh. Tabelle unten8)

Ökologisch produzierte Lebensmittel weisen generell eine bessere CO2-Bilanz auf. Aber selbst Bio-Fleisch ist nur bedingt klimafreundlicher, auch das zeigt die Tabelle.
Was ist die Lösung? „Pizza Salami“ verbieten? Keine Butter mehr unter der Wurst auf dem Brot? Fleisch – insbesondere Rind- und Milchprodukte schädigen die Umwelt, weil sie im Vergleich zu Gemüse und Obst mit relativ hohen CO2-Emissionen verbunden sind9.
Auch bei der Flächennutzung schneiden pflanzliche Produkte viel besser ab als tierische. Für die Produktion pflanzlicher Lebensmittel wird nur ein Bruchteil der Fläche und Energie benötigt, aber bis zu 90 Prozent der Energie bei Tieren geht über das Futter verloren. Im Durchschnitt müssen sieben Kalorien in Form von Getreide verfüttert werden, um eine Kalorie Fleisch zu erzeugen. Ähnliches gilt auch für Eiweiß10.

 

Kampf gegen den Hunger

Wer auf Fleisch verzichtet oder den Fleischkonsum deutlich einschränkt, trägt einen Teil zum Kampf gegen den weltweiten Hunger bei. Auf dem Boden, den ein einziges Rind zum Leben braucht bzw. der zum Futteranbau benötigt wird, kann die Nahrung für 100 Menschen erzeugt werden11. Heute werden jedoch 30 Prozent der gesamten Landfläche unseres Planeten direkt oder indirekt für die Viehhaltung verwendet12. Das Problem der Welternährung wird nach Schätzungen der UNO in Zukunft deutlich wachsen. Bis 2050 erwarten die Vereinten Nationen einen Anstieg der Weltbevölkerung auf mehr als 9 Milliarden Menschen.

Schon jetzt ist das Hungerproblem enorm, sagt die UN Food and Agriculture Organization (FAO): Weltweit haben etwa 925 Millionen Menschen nicht genug zu essen. In 29 Ländern ist die Hungersituation für die Menschen sehr ernst oder gravierend – also in beinahe jedem sechsten Land der Welt. Zwei Drittel der weltweit an Hunger leidenden Menschen leben in nur sieben Ländern: Bangladesh, China, DR Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. In Entwicklungsländern sind 195 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu klein für ihr Alter und damit unterentwickelt. Über 90 Prozent der unterentwickelten Kinder leben in Afrika. 129 Millionen Kinder in Entwicklungsländern sind untergewichtig. Jährlich sterben etwa 2,2 Millionen Kinder weltweit an den Folgen von Mangel- und Unterernährung – das sind 6.027 Kinder täglich, 251 pro Stunde, 4,2 pro Minute13.

Aber nicht nur Fleisch und Wurst sind mit dem Blick auf das Weltklima bedenklich, auch Milchprodukte schneiden nicht sonderlich gut ab. Sie tragen den größten Anteil an den Treibhausgasen unseres Lebensmittel-Warenkorbs. Sahne, Käse und besonders Butter haben während ihrer Entstehung viel CO2 produziert14. Generell gilt: Je höher der Fettanteil in einem tierischen Produkt, desto höher die CO2-Emissionen.

„Wenn ich nicht jeden Tag Fleisch esse, werde ich nicht satt!“ Das hört man nicht selten. Fleisch, Milch und Käse spielen in Deutschland bei der Ernährung eine bedeutende Rolle. 48 Kilogramm Fleisch und Wurst und 130 Kilogramm Milch und Milchprodukte verspeist jede(r) Deutsche pro Jahr15. Auch die unterschiedlichen Fleischsorten tragen verschieden zum Klimawandel bei. Hühner und Schweinefleisch sind in etwa gleich auf, Rindfleisch ist dagegen vergleichsweise ein Klimakiller. Die Bilanz beim Ökofleisch ist etwas besser, aber nicht viel: beim Schwein fünf Prozent, beim Rind 15 Prozent weniger16. Für Fisch gibt es noch keine CO2-Äquivalente. Laut Weltbank ist aber fast eine halbe Tonne Treibstoff nötig, um eine Tonne Fisch zu fangen17.

Wesentlich leichter ist der CO2-Rucksack von pflanzlichen Produkten. Bei frischem Gemüse ist der Wert 300-mal besser als bei frischem Fleisch. Tofu als pflanzliche Alternative schädigt das Klima mehr als zehnmal weniger als Hartkäse18.

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1 CO2-Äquivalent gibt an, wie viel eine festgelegte Menge eines Treibhausgases zum Treibhauseffekt beiträgt. Als Vergleichswert dient Kohlendioxid. Der Wert beschreibt die mittlere Erwärmungswirkung über einen bestimmten Zeitraum; oft werden 100 Jahre betrachtet. Beispielsweise beträgt das CO2-Äquivalent für Methan, das in der landwirtschaftlichen Produktion (etwa Rinderzucht und Milchviehhaltung) eine große Rolle spielt, bei einem Zeithorizont von 100 Jahren 25: Das bedeutet, dass ein Kilogramm Methan 25-mal stärker zum Treibhauseffekt beiträgt als ein Kilogramm CO2. http://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauspotenzial am 12.5.2011
2 ZD, 2008, S. 144
3 ZD, 2008, S. 144
4 Goldner, 2009, S. 11
5 Fritsche/Eberle, 2007, S. 10
6 ZD, 2008, S. 145
7 de.wikipedia.org/wiki/Treibhauspotenzial am 12.5.2011
8 Fritsche/Eberle, 2007, S. 5 sowie ZD, 2008, S. 147 (TK bedeutet Tiekühlkost)
9 ZD, 2008, S. 147
10 Methfessel/Grabovski, 2002
11 Wagenhöfer/Annas, 2006, S. 121
12 Goldner, 2009, S. 16
13 www.welthungerhilfe.de/zahlen-hunger-armut.html am 13.5.2011
14 Fritsche/Eberle, 2007, S. 8
15 Fritsche/Eberle, 2007, S. 4
16 Fritsche/Eberle, 2007, S. 6
17 Goldner, 2009, S. 19
18 Goldner, 2009, S. 19