Weniger ist mehr!

Wirklicher Genuss stellt sich nicht durch Masse und unbegrenzte Verfügbarkeit unserer Lieblingsgerichte ein.

Wer zu viel des Guten verschlingt, zu oft in die verführerische Pralinenschachtel greift, dem wird schlecht. Genuss vertraut der alten Weisheit: Weniger ist mehr! Oder mit den Worten aus Delphi: Von nichts zu viel!

Davon erzählt auch die biblische Geschichte vom Manna. Nach der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei leiden die Israeliten auf dem Weg durch die Wüste Hunger.

Sie ernähren sich vom Manna, das in der Wüste zu finden ist. Jede und jeder sammelt ein, der eine mehr, die andere weniger, jede und jeder so viel sie zum Essen brauchen. Einige widersetzen sich der Weisung, nichts bis zum kommenden Tag aufzuheben. Heimlich verstecken sie restliches Manna. Doch am nächsten Tag ist es verdorben (Exodus 16, 14 ff.). Die Geschichte weiß um unseren Wunsch nach dauerhafter Verfügbarkeit. Die Sorge, es könnte nicht ausreichend da sein, die Angst vor dem Mangel lässt uns Vorräte anlegen. Diese Angst ist menschlich und Vorratshaltung in begrenztem Maß ist sinnvoll. Verlieren wir das Maß, wandelt sich Vorsorge in Gier, die uns verdirbt, so wie das Manna verdorben ist und nicht mehr nähren kann.

Die Geschichte vom Manna ist eine von vielen biblischen Texten, die vom Essen und Trinken erzählen und so über das tägliche Brot reflektieren. Speisevorschriften und Fastenzeiten sind ebenso bedeutsam wie die Lust und Freude am Essen. Fast ließe sich sagen, dass die Bibel dem Essen und Trinken eine zentrale Bedeutung einräumt. Sie verheißt das Heilige Land als Land, in dem Milch und Honig fließen.

Miteinander zu essen gilt als Ausdruck der Versöhnung. Gastfreundschaft ist ohne die gemeinsame Mahlzeit nicht denkbar. Und das Himmelreich wird mit einem Gastmahl verglichen.

Nicht zuletzt ist Essen und Trinken ein Ausdruck der Beziehung zwischen den Menschen. Im Mittelpunkt steht die Gemeinschaft, die das Brot miteinander bricht und teilt. Neben seiner religiösen Bedeutung ruft das Abendmahl zur Gemeinschaft und zu solidarischem Miteinander auf. Wenn Paulus im 1. Korintherbrief unwürdiges Verhalten beim Abendmahl kritisiert, dann hat er jene im Blick, die sich auf Kosten anderer den Bauch vollschlagen und nicht zum Teilen bereit sind (1. Kor 11, 26 ff.).

Der Text stammt aus einer Zeit, als das Abendmahl wie wir es kennen, noch unmittelbar mit der gemeinsamen Mahlzeit verbunden war. Die ursprüngliche Nähe von Abendmahl und Mahlzeit erinnert daran, dass sich im Essen und Trinken unsere sozialen Beziehungen spiegeln. Und in der religiösen Dimension wird deutlich, dass Essen und Trinken mehr als Nahrungsaufnahme ist.

Neben der Faustregel „bio – fair – regional – saisonal“ nimmt das Buch die biblische Dimension von Essen und Trinken ernst und in den Blick. Und frei nach Paulus lässt sich formulieren: Wer von diesem Brot isst und aus diesem Kelch trinkt, dem kann nicht egal sein, was wir essen und trinken und ob andere ausreichend Nahrung haben. Genug für alle hat die Erde.

Dr. Veit Laser, Referent für Entwicklungsbezogene Bildung