Ernährungswende

Was ist die Lösung aus diesem Dilemma und wie kann eine Ernährungswende hin zu bewussterem Essen und vor allem weniger Fleischkonsum gelingen?

Die radikale „Holzhammer-Methode“, innerhalb kürzester Zeit auf Tierisches auf dem Teller zu verzichten, ist wenig erfolgversprechend – besonders auf Freizeiten.

Jedenfalls so lange, wie die Themen vegetarische oder vegane Ernährung nicht ausdrücklich auf dem Programm stehen. Wer stellt schon gerne seine Essgewohnheiten auf den Kopf. Das muss auch gar nicht sein. Im Normalfall ist sicher der sanfte Übergang der bessere Weg. Nicht jeden Tag Fleisch als Hauptbestandteil eines Mittagessens. Viel Gemüse und leckere Salate zum Abendbrot. In diesem Buch haben wir viele passende Rezepte zusammengestellt.

Wie wäre es, Fleisch als etwas Besonderes anzusehen, als ein außergewöhnlich wertvolles Nahrungsmittel, das bewusst genossen wird. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass Fleisch ein Nahrungsmittel ist, für das Lebewesen getötet werden müssen. Denn auch wenn Tiere nach ökologischen Gesichtspunkten gehalten wurden, länger leben durften, freier herumlaufen und sich als Schwein auch mal im Dreck suhlen konnten, so werden sie doch getötet, damit sie bei uns auf dem Teller landen.

Ein Huhn aus der Tiefkühltruhe zum Preis von 2,99 Euro kann nur unter zweifelhaften Bedingungen gelebt haben. Einziger Trost ist, dass die Tiere in der Turbomast meist nur wenige Monate so gehalten werden, bis sie schlachtreif sind. Ein kurzes Martyrium. Selbst ein Schwein lebt, bis es das Schlachtgewicht von rund 100 Kilogramm erreicht hat, gerade einmal ein halbes Jahr. Im größten Schweinestall Deutschlands leben 65.000 Tiere auf engstem Raum mit computergesteuerter Fütterung.19 Manche Kreisstadt hat weniger Einwohner. Und das Ende der Fahnenstange bei der Größe der Mastställe scheint noch nicht erreicht. Es gibt Pläne für Ställe mit 75.000 bis 95.000 Tieren. Es ließen sich noch weitaus mehr Beispiele für die aus den Fugen geratene Nutztierhaltung nennen oder den verlorengegangenen Bezug zwischen Mensch und Tier – alles Argumente, die dafür sprechen, den Fleischkonsum zurückzuschrauben.

Eine Möglichkeit sich gegen unwürdige Tierhaltung und für den Klimaschutz einzusetzen ohne ganz auf Fleisch zu verzichten, ist, sich auf den guten alten „Sonntagsbraten“ zu besinnen. Wer nicht mehr weiß, was gemeint ist, fragt am besten seine Oma. Als sie jung war, kam meist nur am Sonntag ein Stück Fleisch auf den Teller. Etwas Besonderes eben, etwas Wertvolles.

Initiativen wie „Meatless Monday“ (fleischloser Montag) von Ex-Beatle Paul McCartney, der dafür wirbt, an einem Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten, können nur ein winziger erster Schritt sein.20 Besser wäre eine Initiative „Meat at the weekend“ (Fleisch am Wochenende) – vielleicht auch eine attraktive Formulierung für Leute, denen der „Sonntagsbraten“ zu altbacken klingt.

Deutlich weniger Fleisch ist also nicht nur ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zum Tierschutz.

Die Ernährungswende ist machbar. Auf einer Freizeit kann man gemeinsam damit anfangen. Wichtig ist, weder sich selbst noch dem Küchenteam oder den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, das Gefühl zu geben, sie müssten auf etwas verzichten.



Drei Grundregeln sollte man beim Planen, Einkaufen und Kochen beachten:

  • Weniger Fleisch – dafür Bio-Fleisch.
  • Mehr Obst und Gemüse – aber regional und saisonal ausgewählt.
  • Alles möglichst frisch – kaum oder keine Konserven oder Tiefkühlprodukte.