Was ist gutes Essen?

Eine gute Frage! Nur das, was schmeckt? Oder steckt noch mehr dahinter?

Michael Borger, Evangelische Jugend der Pfalz
Michael Borger, Evangelische Jugend der Pfalz

Stellt Euch vor...

es ist ein herrlicher Sommermorgen im Süden Italiens. Das Küchenteam schlendert gemütlich in die Stadt und kauft in der Markthalle eine große Menge frischer, sonnengereifter Tomaten, Zwiebeln, etwas Knoblauch, Obst, Parmesan und ein paar junge Zucchini. Das herrlich duftende Basilikum und ein Bündel Minze gibt es umsonst. Im Stammsupermarkt erwirbt die Küchencrew Nudeln und Fruchtsäfte. Beim Direktvermarkter um die Ecke besorgen sie leckeren Mozzarella aus Büffelmilch. Auf dem Heimweg gönnen sie sich ein Eis auf dem Domplatz vor original italienischer Kulisse. Schon nach ein paar Tagen wird die Freizeitgruppe in verschiedenen Lebensmittelläden Terracinas als Stammkunde behandelt – Rabatt inklusive. Der Supermarkt liefert die Einkäufe sogar bis zur Gruppenunterkunft.

Für den Themenabend „Italien“ bereitet das Kochteam am späten Nachmittag aus den Zutaten eine wunderbare Tomatensauce und verfeinert sie mit frischen Zucchini und Parmesan. Außerdem gibt es Tomatensalat mit echtem Mozarella di Buffola, beträufelt mit Olivenöl und mit Basilikum garniert. Als Nachtisch serviert die Küchencrew einen leckeren Fruchtsalat und als Krönung nicht nur das obligatorische Wasser, sondern einen alkoholfreien Longdrink. Wie jedes italienische Essen rundet auch dieses Essen ein Espresso ab. In diesem Falle aus fair gehandeltem Kaffee.

So kann Essen auf einer Freizeit inszeniert werden. Eingebettet in ein ausgewogenes Programm mit genügend Bewegungsangeboten und Phasen der Entspannung, dazu frisch, regional, günstig, einfach und lecker! Schon der Einkauf war ein Erlebnis, das Kochen und das Essen in angenehmer Atmosphäre machte Lust und Laune.

Die restliche Tomatensauce hält sich übrigens im Kühlschrank bis zu zwei Tagen und bildet die Grundlage für die Spaghetti Bolognese, die übermorgen auf dem Speiseplan stehen.36

 

Wie bereitet man die Freizeit-Mitarbeiter(innen) darauf vor?

Der hohe Stellenwert von gutem, gesundem und schmackhaftem Essen auf Freizeiten muss rechtzeitig beachtet werden. Freizeitleiterinnen und Freizeitleiter brauchen deshalb eine entsprechende Vorbereitung. Sie benötigen ausreichend Kenntnisse über die Kunst der einfachen Küche, Hilfen für eine exakte Mengenberechnung und ein sicheres Gespür für eine weitsichtige, verantwortungsbewusste „Einkaufspolitik“. Dazu gehört der zurückhaltende Einkauf von Fertigprodukten, der Vorzug von regionalen Produkten, das Aushandeln von Gruppenrabatten sowie den Kauf fair gehandelter Produkte.

Discounterspaghetti und passierte Tomaten mit nach Italien zu nehmen, geht gar nicht. Mit seiner Einkaufspolitik sorgt das Leitungsteam dafür, dass auf Freizeiten nachhaltig und mit gutem Umweltgewissen gekocht wird – und das sogar relativ günstig.

Der/die Freizeitveranstalter*in muss genügend Schulungsangebote vorhalten und das Leitungsteam unbedingt mit ausreichend Mitteln für die Freizeitküche ausstatten.
Hilfreich sind eine kritische Reflexion der Position „Lebensmittel“ im Freizeitbudget und ihr Verhältnis zu anderen Positionen in der Freizeitkalkulation. Wenn es stimmt, dass die Gestaltung unserer Zukunft nachhaltig sein muss, dann könnte auch mal eine Neubewertung der Position Essen auf Freizeiten an der Reihe sein.37

Michael Borger

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36 Michael Borger (Referent für Freizeiten und entwicklungsbezogene Bildungsarbeit, Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche der Pfalz)
37 Michael Borger (Referent für Freizeiten und entwicklungsbezogene Bildungsarbeit, Landesjugendpfarramt der Evangelischen Kirche der Pfalz)